/ Gesetzliche Pflegeversicherung - Pflegereform

Die neue Pflege und die neue Begutachtung

Die Begutachtung

Das neue Begutachtungsinstrument

Um künftig den Pflegebedarf zu ermitteln, schätzt ein Gutachter in sechs Lebensbereichen bzw. sogenannten Modulen den Grad der Selbstständigkeit anhand von 64 Kriterien ein. Dabei wird geschaut, in welchem Ausmaß eine pflegebedürftige Person sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann. Der Gutachter vergibt pro Kriterium Punkte, die in die Gesamtpunkte des Moduls einfließen. Die nach dem alten Verfahren bekannte Minutenzählerei ist vorbei. Der Gutachter ermittelt nicht länger einen in Minuten gemessenen Hilfebedarf, sondern beurteilt, wie sehr die Selbstständigkeit und die Fähigkeiten des Antragstellers zur Bewältigung des Alltages eingeschränkt sind. Für den Gutachter ist dabei auch nicht von Bedeutung, ob die Selbstständigkeit durch körperliche, geistige oder psychische Einschränkungen beeinträchtigt bzw. welche Hilfeleistungen tatsächlich erbracht werden.

Sechs Lebensbereiche bzw. Module:

*nur der höhere Wert von Modul (2) und (3) kommt in die Wertung

Beispielsweise fragt der Gutachter danach, wie ein Mensch Treppensteigen kann. Geht er

  • Selbstständig (ohne Hilfe in aufrechter Position)
  • überwiegend selbstständig (Hilfe nur wegen Sturzrisiko)
  • überwiegend unselbstständig (Hilfe durch Stützen oder Festhalten einer Person)
  • unselbstständig (muss getragen werden, Eigenbeteiligung nicht möglich)?

Abhängig von dem Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten wird ein Punktwert zugeordnet. Die Einzelpunkte der Module werden addiert und durch die unterschiedliche prozentuale Gewichtung zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Aufgrund der Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen stufen die Gutachter in einen der fünf Pflegegrade ein.

Die fünf Pflegegrade mit den zugeordneten Punktwerten:

*Auf der Basis der erreichten Gesamtpunkte (zugeordnet, addiert und gewichtet) der Begutachtung (Module) wird der Grad der Pflegebedürftigkeit ermittelt und die Personen zu einem der 5 Pflegegrade zugeordnet

Wenn der Pflegefall eingetreten oder absehbar ist, sollte ein formloser Antrag bei der zuständigen Pflegeversicherung gestellt werden. Der IPV unterstützt Sie gern dabei. Die Höhe der Leistungen für den Pflegebedürftigen hängt dann von dem bewilligten Pflegegrad ab.

Wie wird eine Begutachtung ablaufen und kann man sich darauf vorbereiten?

Sobald ein Antrag bei der zuständigen Pflegeversicherung auf die Zuordnung zu einem Pflegegrad und somit auf Leistungen gestellt wurde, wird ein Termin mit einem Gutachter vereinbart.
Die Begutachtung findet in der Regel im häuslichen Wohnbereich des Antragstellers statt. Der Gutachter wird dann mithilfe eines Fragenkatalogs die Einschränkungen der Selbstständigkeit und Fähigkeiten ermitteln. Er fragt nach aktuellen Krankheiten und Vorerkrankungen und macht sich ein Bild davon, welche Verrichtungen im täglichen Leben noch selbstständig erledigt werden können und wobei Unterstützung bzw. Hilfe benötigt wird. Zum einen beurteilt der Gutachter die körperlichen Funktionsfähigkeiten, zum anderen aber auch, ob psychomentale Einschränkungen vorliegen. Auch die häusliche Pflegesituation sowie das soziale Umfeld werden begutachtet. Hierbei wird der Gutachter bereits Vorschläge für geeignete Maßnahmen unterbreiten, die die Pflegesituation verbessern können bzw. eine Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit vermeiden sollen.
Wenn die Begutachtung abgeschlossen ist, prüft der Pflegeversicherer das erstellte Gutachten und entscheidet, ob eine Zuordnung zu einem Pflegegrad erfolgen kann.

Um sich auf eine Begutachtung vorzubereiten, ist es sinnvoll, im Vorfeld ein Pflegetagebuch zu führen. Dort sollte täglich eingetragen werden, wobei Hilfe benötigt wird und wie die Selbstständigkeit und die Fähigkeiten bei der Bewältigung des Alltags eingeschränkt sind. Außerdem sind Informationen über einzunehmende Medikamente, zum Einsatz kommende Hilfsmittel etc. wichtig. So kann sich der Gutachter einen besseren Einblick in die Pflegesituation verschaffen. Ein Muster eines Pflegetagebuches können Sie gern bei uns anfordern. Auch die Anwesenheit der pflegenden Person bei der Begutachtung ist empfehlenswert, da diese eine realistische Schilderung der aktuellen Pflegesituation vornehmen kann.

Private Vorsorge für den Pflegefall – Weiterhin eine sinnvolle Ergänzung

Trotz der Pflegereform und den damit in vielen Fällen einhergehenden Leistungsverbesserungen für die Pflegebedürftigen werden diese Pflegeleistungen auch künftig nicht reichen, um alle Pflegekosten zu decken.

Wenn das eigene Einkommen oder Vermögen nicht ausreicht, um die Kosten der Pflege und des täglichen Lebens zu tragen, hilft eine Pflegezusatzversicherung, diese Lücke zu schließen. Auch eine mögliche Unterhaltsverpflichtung von Angehörigen (z.B. Elternunterhalt, siehe IPV-Report 01_2016) kann mit einer Zusatzversicherung vermieden werden.

Möglichkeiten der Absicherung durch eine private Pflegezusatzversicherung

  • Pflegetagegeldversicherung
    Bei dieser Versicherungsform erhalten Sie im Falle der Pflegebedürftigkeit ein Pflegetagegeld. Wie hoch dieses Pflegetagegeld sein soll, legen Sie bei Abschluss der Versicherung selber fest.
  • Pflegekostenversicherung
    Die Pflegekostenversicherung knüpft an die Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung an. Nachgewiesene Pflegekosten werden in der Regel nach Vorleistung der gesetzlichen oder privaten Pflichtversicherung im tariflichen Rahmen erstattet.
  • Pflegerentenversicherung
    Je nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit erhalten Versicherte eine unterschiedlich hohe Rente.

Haben Sie Fragen? Gern können Sie Frau Musche unter 030 206732-148 anrufen.

Das erste Pflegestärkungsgesetz

Mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz erhalten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen seit dem 01. Januar 2015 höhere Leistungen  und mehr Möglichkeiten zur Betreuung. Hier erhalten Sie einen Überblick über die verbesserten Leistungen:

Das erste Pflegestärkungsgesetz

Das zweite Pflegestärkungsgesetz

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in die Praxis umgesetzt.

Das Gesetz tritt am 01. Januar 2016 in Kraft und das neue Begutachtungsverfahren sowie die Umstellung der Leistungsbeträge der Pflegeversicherung werden zum 1. Januar 2017 wirksam.

Was sich ändert lesen Sie hier:

Das zweite Pflegestärkungsgesetz

 

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