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Gesellschafter-Geschäftsführer: Flexibel und steueroptimiert über den Betrieb vorsorgen – auch für „Startup-Gründer“

Artikel aus dem Journal online 02-2019

Unternehmer*Innen in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft steht die ganze Palette der betrieblichen Altersversorgung zur Verfügung – von Gründer*Innen und „Neuunternehmer*Innen“ häufig ungenutzt!

 

Eine neue Unternehmergeneration ist z.B. im Zuge der Digitalisierung entstanden, auch in klassischen Branchen haben viele den Weg in die Selbstständigkeit gewagt oder waren schon immer selbstständig. An einem bestimmten Punkt, oft wenn es bereits recht spät ist, stellt sich die Frage nach der richtigen Vorsorge für das Alter oder für die Berufsunfähigkeit.

Viele Gesellschafter-Geschäftsführerinnen und -Geschäftsführer (GGF) haben einen besonderen Versorgungsbedarf, weil sie von der Rentenversicherungspflicht befreit sind. Selbst wenn Rentenbeiträge gezahlt werden, bedarf es einer zusätzlichen Vorsorge, um den häufig überdurchschnittlichen Lebensstandard im Alter zu halten.

Gut trifft es sich da, dass Unternehmer in der Rechtsform GmbH (auch AG, ggf. UG oder Limited, nicht: OHG, KG) eine betriebliche Altersversorgung mit steuerlicher Förderung aufbauen können. Denn steuerrechtlich werden sie wie ein Arbeitnehmer eingestuft, auch in Bezug auf eine Betriebsrente. Eine betriebliche Altersversorgung ist nicht nur für die Belegschaft zur Mitarbeiterbindung sinnvoll, sondern erst recht für die Chefin oder den Chef! Mit Unterstützung des Finanzamts werden Alters-, Hinterbliebenen und Berufsunfähigkeitsleistungen aufgebaut. Je früher, desto einfacher!

 

 

Ziele definieren: Versorgungsbedarf/Versorgungsaufwand

Der Versorgungsbedarf ist individuell recht unterschiedlich. Verbreitet ist aber eine Orientierung wie folgt:

  • Altersrente: 75 % - 100 % der Aktivbezüge
  • Berufsunfähigkeitsrente: 60 % - 100 % der Aktivbezüge
  • Hinterbliebenenleistung:  60 % - 75 % der Aktivbezüge

Für rentenversicherungsfreie Geschäftsführer*Innen sollte sich der Versorgungsaufwand mindestens an den ersparten Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung orientieren, mithin 18,6 % des Geschäftsführer-Gehaltes bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Im Jahr 2019 entspricht das monatlich 1.246 EUR (18,6 % von 6.700 EUR monatlich). Das ist als Untergrenze für den Beitragsaufwand zu sehen.

Gesellschafter-Geschäftsführer*Innen
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GGF: Flexibel und steueroptimiert über den Betrieb vorsorgen

GGF: Flexibel und steueroptimiert über den Betrieb vorsorgen

Auf den Punkt gebracht: So funktioniert die betriebliche Altersversorgung!

Die Gesellschaft legt Geld für das Rentenalter zurück und macht den Aufwand steuermindernd geltend. Der Vorgang ist für die Unternehmerin/den Unternehmer steuerfrei, gegenüber einer Auszahlung als Gehalt spart er nicht selten den Spitzensteuersatz einschließlich Solidaritätszuschlag.
Die zurückgelegten Mittel werden insolvenzsicher angelegt. Über die Anlageform entscheidet die Unternehmerin/der Unternehmer, möglich ist sogar eine ertragssteuerfreie Anlage (Unterstützungskasse). Erst im Rentenalter kommt es zur Versteuerung der ausgezahlten Leistungen, regelmäßig zu einem niedrigeren oder ermäßigten Steuersatz der Unternehmerin/des Unternehmers (sog. Fünftelung nach § 34 EStG).

Die betriebliche Altersversorgung ist aufgrund der nachgelagerten Besteuerung, der insolvenzsicheren Anlage und der Kapitalisierungsmöglichkeit in aller Regel die attraktivste Vorsorgeform für GGF.

Wie wird die bAV aufgebaut?

Alters-, Invaliditäts2- und Hinterbliebenenleistungen lassen sich über sämtliche Durchführungswege der bAV abbilden.
Wichtig: Hinterbliebenenleistungen sind nicht frei vererbbar. Sie dürfen nur „engen“ Angehörigen zugesagt werden (neben dem Ehegatten, dem eingetragenen Lebenspartner und kindergeldberechtigten Kindern auch der Lebensgefährtin/dem Lebensgefährten).

2 In der bAV zählen dazu u. a. Dienstunfähigkeits-, Berufsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsleistungen wie auch Leistungen aus sog. Körperschutzpolicen.

Die Direktversicherung (Einstieg)

Die meisten GGF nutzen zunächst eine Direktversicherung, da die Beiträge steuerlich absetzbar sind, die Direktversicherung sehr einfach funktioniert und keinen nennenswerten Einrichtungsaufwand erfordert. Aufgrund der steuerlichen Dotierungsgrenze von maximal 8 % der Beitragsbemessungsgrenze West (2019: 536,- EUR monatlich) lässt sich damit keine ersetzende, aber eine spürbare Versorgung aufbauen.

In der Praxis sind bei der Einrichtung einer Direktversicherung, zumindest über eine Entgeltumwandlung, grundsätzlich keine Fristen zu beachten.

Unterstützungskasse und Pensionszusage (Schwerpunkt)

Das erforderliche Dotierungsvolumen können aus steuerlichen Gründen nur die zwei „großen“ Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung abbilden:

  • die Unterstützungskassenzusage (stetige Beiträge),
  • die Pensionszusage (auch flexible Beiträge).

Während bei der Pensionszusage die Verpflichtung unmittelbar das zusagende Unternehmen trägt und hierfür Pensionsrückstellungen bildet, zeichnet sich die Unterstützungskassenzusage durch die Einschaltung eines externen Versorgungsträgers - ohne Bilanzberührung für die zusagende Gesellschaft - aus. Für beide Durchführungswege ist der Aufwand (Beitragszahlungen bzw. Pensionsrückstellungen) steuerwirksam.

Im Falle der Unterstützungskasse wird in der Regel eine Rückdeckungsversicherung abgeschlossen. Der Leistungsplan der Unterstützungskasse verweist auf die Versicherungsbedingungen. Es besteht dann kein Nachschussrisiko für das Unternehmen. Das Unternehmen kann die Versicherungsprämien in voller Höhe als Betriebsausgabe geltend machen (§ 4d Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c EStG).  

Hinweis: Auch im Durchführungsweg Pensionszusage kann eine HGB-Bilanzberührung durch eine kongruent rückgedeckte (wertpapiergebundene) Zusage vermieden werden, die gleichzeitig an den GGF privat verpfändet wird. Zivilrechtlich ist die Zusage hier 100 % identisch zu einer Rückdeckungsversicherung bezogen auf Art, Fälligkeit und Höhe der Leistungen. Es besteht kein Nachfinanzierungsrisiko für das Unternehmen. Allerdings kann das Unternehmen hier die Versicherungsprämie effektiv nur zu einem geringen Teil als Betriebsausgabe geltend machen. Vielmehr ist die Steuerersparnis weitestgehend auf die Zuführung zur Rückstellung beschränkt. Sollen Einmalbeiträge geleistet werden (z. B. aus Tantiemen o. ä.) ist die Pensionszusage aber alternativlos.

Beide Durchführungswege bieten die Möglichkeit eines wirksamen Insolvenzschutzes durch Verpfändung des Rückdeckungsvermögens an den GGF privat (im Regelfall eine Rückdeckungsversicherung; alternativ auch sonstiges, bereits vorhandenes Betriebsvermögen). Bei professioneller Beratung und Gestaltung ist die Altersversorgung unabhängig vom Schicksal der Gesellschaft. Aufgrund der eigenen Rechtspersönlichkeit der Unterstützungskasse ist die Insolvenz dort mit ganz geringen „Kollateralschäden“ für die Versorgung verbunden.

Vorsorgestrategie für Gesellschafter-Geschäftsführer

Rechtliche Schranken (wird im Rahmen der Direktversicherung nicht geprüft)

Aufgrund der Doppelstellung der Unternehmerin/des Unternehmers als Gesellschafter/in und Arbeitnehmer/in sind einige steuerrechtliche Einschränkungen mit der Erteilung einer Zusage verbunden.

 

Erdienbarkeit

Anforderungen der Finanzverwaltung, wonach die Zusage durch einen verbleibenden Tätigkeitszeitraum von mindestens 10 Jahren erdient werden muss, sind zu prüfen. Die früheste Abrufbarkeit von Altersleistungen darf daher erst nach 10 Jahren erfolgen. Für diesen Zeitraum muss der GGF grundsätzlich betriebstreu bleiben.

Die Erdienbarkeitsprüfung entfällt bei einer „echten Entgeltumwandlung“ (Entscheidung des Bundesfinanzhofs v. 7.3.2018 – I R 89/15). „Echt“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich nicht um eine umgewandelte Gehaltserhöhung o. ä. handelt, sondern langanhaltend ausgezahlter Barlohn umgewandelt wird.

 

Probezeiten

Im Rahmen der „Probezeiten“ prüft die Finanzverwaltung, ob der GGF bei Zusageerteilung mindestens 2 Jahre seine Eignung als Geschäftsführer/in nachgewiesen hat und das Unternehmen mindestens 5 Jahre bestand. Die persönliche Probezeit erfüllt ein GGF regelmäßig auch, wenn er 2 Jahre vor Zusageerteilung in vergleichbarer, leitender Position tätig war.

Falls kein geeigneter Nachweis möglich ist, empfehlen wir den Zusageaufwand analog zur gesetzlichen Rentenversicherung zu beschränken und diese Konstellation vorab beim zuständigen Finanzamt durch eine verbindliche Anfrage klären zu lassen. Im Rahmen einer solchen Zusage halten einige Finanzämter die Probezeit für nicht erforderlich.  

Außerdem prüft die Finanzverwaltung die sogenannte Konsolidierungsfrist des Unternehmens, das mindestens 5 Jahre am Markt bestanden haben muss (BMF-Schreiben vom 14.12.2012). Existierte das Unternehmen zuvor in anderer Rechtsform, werden solche Zeiten angerechnet.

Die Probezeiten werden auch bei Entgeltumwandlungszusagen geprüft (OFD Niedersachsen vom 15.8.2014).   

 

Überversorgung

Im Rahmen der Überversorgung prüft das Finanzamt, ob die gesamten Versorgungsansprüche (gesetzliche Rente und zugesagte arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten aus allen Durchführungswegen) nicht mehr als 75 % des Aktiveinkommens nach § 2 Lohnsteuerdurchführungsverordnung betragen.

Beispiel: Gehalt = 8.000 EUR (mtl.) 

75 % = 6.000 EUR, abzüglich:

  • 340,- EUR gesetzliche Rente,
  • 315,- EUR (Pensionskasse) und
  • 380,- EUR (Direktversicherung nach § 40b EStG, Rentenfaktor der Finanzverwaltung auf Ablaufleistung beträgt 1/120).

Ergebnis: 4.965 EUR verbleiben im Rahmen der Überversorgungsprüfung für eine arbeitgeberfinanzierte Zusage.

Versorgungsbezüge aus einer Entgeltumwandlung werden nicht berücksichtigt, weder auf der Ebene des Aktivgehalts, noch bei der abzuziehenden Versorgung.  

 

Sonstiges

Für neue Zusagen an beherrschende GGF muss als vertragliche Altersgrenze mindestens 67 vorgesehen sein.

Daneben prüft die Finanzverwaltung, ob einer Zusage in Bezug auf Art und Verhältnis der Leistungshöhen zueinander üblich ist. Eine Hinterbliebenenrente sollte 60 % der zugesagten Altersrente nicht überschreiten.

Flexi-Versorgung durch Entgeltumwandlung von Tantiemen

Eine flexible Versorgung im Durchführungsweg Pensionszusage kann aufgebaut werden, indem jährlich auf Tantiemen zugunsten einer Altersversorgung verzichtet wird. Die eigentlich steuerpflichtigen Tantiemen werden damit jeweils als Einmalbeitrag in eine Rückdeckungsversicherung einbezahlt. Die erteilte Zusage der Gesellschaft entspricht den Ablaufleistungen der gegen Einmalbeitrag abgeschlossenen Versicherung. Die Besteuerung wird so auf den Rentenbeginn verschoben - zu einem im Regelfall niedrigeren Steuersatz. Finanzierungslücken können nicht entstehen. Solange es sich um eine echte Entgeltumwandlung handelt, sind Konflikte mit der Erdienbarkeitsfrist von 10 Jahren nicht gegeben.

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